Rezensionen für "Brot"
"Endlich ist der Beweis geglückt! Die Wiederentdecker traditioneller norddeutscher Musik zerbrechen sich seit Jahren den Kopf, wo sie sich stilistisch zwischen Schweden und dem Alpenland ansiedeln sollen. Dass beides kein Widerspruch seinmuss, zeigt die neue CD der österreichischen Gruppe "Aufstrich". Die Ähnlichkeit zur traditionellen schwedischen Musik liegt vielleicht auch an den Instrumenten, bei denen die Geigen meistens die Führung übernehmen und von Kontrabass und Bratsche begleitet werden. "Aufstrich" ist allerdings kein reines Streicherensemble und auch keine reine Frauengruppe -- Horst Lackinger fügt mit seinem Saxophon und seiner Stimme weitere Klangfarben zum "Aufstrich" hinzu.
Der Bandname hat neben der musikalischen auch noch eine kulinarische Bedeutung -- und da sich "Aufstrich" auf einer CD befindet, heißt die CD eben "Brot" -- logisch? Entsprechend zeigen die Fotos im Booklet auch die Instrumente ineinem kulinarischen Zusammenhang (ich hoffe, sie haben es gut überstanden und haben nicht allzu häufig Kontakt mit Nahrungsmitteln). Musikalisch kommen aber außer "Rotem Wein" und "Apfel, Nuß und Kaiserbirn" nicht so vieleLebensmittel auf der CD vor. Neben vielen traditionellen österreichischen Weisen mit mehrstimmigem Jodeln und nebeneinigen Eigenkompositionen finden wir auf der CD auch Musik aus Finnland, ein ruhiges Stück aus der Slowakei mitmehrstimmigem Gesang (sehr authentisch gesungen) und schmelzender Melodie, und schließlich beweist die Gruppe, dasssie auch einen bulgarischen 7/8-Takt souverän beherrscht (auch wieder mit perfektem Harmoniegesang).
Auch musikalische Überraschungen kann man erleben, wenn sich z. B. über einem massiven Bordun-Ton ein mehrstimmiger Jodler aus einer bekannten Kinderfilm-Melodie entwickelt, die man bisher nicht mit Jodeln in Verbindung gebracht hat ... Insgesamt ein abwechslungsreiches Programm. Im Booklet finden sich zu allen Stücken zusätzlich zu persönlichen Gedanken auch genaue Quellenangaben. Wenn Quellenforschung doch immer solche lebendigen und frischen Ergebnisse hervorbringen würde! Vielleicht wäre vor dem Hören der CD ein Crash-Kurs in alpenländischen Tänzen angebracht, denn wer bei uns im Norden weiß schon, wie man einen "Schleunigen" oder einen "Boarischen" tanzt? Aber auch, wer nur über Walzer- und Polkakenntnisse verfügt, findet genügend Gelegenheiten, sich zu der CD zu bewegen!"
"Na, das klingt aber g'scheit fesch, wenn die Jungspatzen musizieren! "Jungspatzen", weil sie noch studieren, aber an den Instrumenten (Violinen, Bratsche, Sax, Kontrabass und ab und an Gesang) auf alle Fälle schon 1A. Zum Besten gegeben werden zumeist wenig bekannte Schmankerl aus dem Austrian Songbook, angereichter durch Inspirationen, die sich durch internationale MusikantInnentreffen ergeben haben. Finnland, die Slovakei oder Bulgarien lehnen sich da etwa sehr abwechslungsreich und Moll-lastig an die ausgelassenen österreichischen Volksliedweisen. Aber auch drei sehr feine Eigenkompositionen von Violinistin Julia Lacherstorfer sind auf "Brot" zu hören.
Drei Tracks dieser erfrischenden Volksmusik, fernab von kommerziellen Pfaden, können Sie über die myspace-Adresse von "Aufstrich" erhören.
Mein persönlicher Favorite, die übermütige "Hobl Polka" ist dort leider nicht zu hören -- hat aber gute Chancen auf ein Fixplatzerl in unserem "La Danza Globalista" in der Sargfabrik. Das ist, wohl gemerkt, kein geringes Kompliment, denn dort kommt nur die beste Ware in den Player!"
"Schon wieder ein Schlag für die Untergeh-Spezialisten: Volksmusik ist immer noch nicht out. Und schon gar nicht bei der Jugend.
Im Streichensemble plus Saxophon spazieren Julia Lacherstorfer und ihre Musikantinnen durch die österreichische Musiklandschaft, streifen dabei Bulgarien und die Slowakei, aber auch die finnische Taiga und das mit einer Lust und Leichtigkeit, die so mancher braver Stubenmusi gut tun würde.
Horst Lackinger am Saxophon (und einziger Mann in der Band) verteilt so behutsam seine Töne, dass man bisweilen ein Flügelhorn zu hören vermeint. Großartig!
Die fünf Aufstrichler sind historisch bewandert (Handschriften, Notenbüchlein aus Archiven) und offen für direkte Einflüsse (Ponitran, Stifta Geigenmusi, Tanzgeiger) Schon jetzt ist der Aufstrich auf dem Brot köstlich, wie mögen neue Rezepturen erst in Zukunft schmecken?"