Rezensionen für "Spiele"

Susanne Schedtler vom Wiener Volksliedwerk schreibt über „Spiele“:

Brot und Spiele – Aufstrich hat sich etwas einfallen lassen für CD Nummer 2. Was natürlich keine Anspielung auf besonders in Wien beliebte Gratisspielchen sein soll – in Anlehnung an die alten Römer. Aufstrich serviert hingegen nach der beschwingten ersten CD „Brot“ (2008) als logische Folgerung einen „Spiele“ – Silberling.

Damit es nicht zu harmlos wirkt, sind die Spiele mit einem Vorspiel und einem Nachspiel versehen – ganz schön verrucht für das Quintett der Julia Lacherstorfer (allerdings nur theoretisch, in Wahrheit sind sie sehr kurz und moralisch gehalten). Vier junge Streicherinnen und ein Saxophonist, alle unerhört musikalisch, die richtige Mischung Volksmusik und Kreativität, das Rezept funktionierte von Anfang an. Lacherstorfer, von Kindesbeinen an mit Schwester und Eltern auf Musikantenwochen unterwegs, zeichnet auch für einige Eigenkompositionen verantwortlich, sowie in Zusammenarbeit mit ihrem Ensemble für die    meisten Arrangements.

Ohne sich von missionarischem Eifer in Sachen Volksmusikpflege verwirren zu lassen, stöberte Aufstrich im Steirischen Volksliedarchiv nach brauchbarem Material und lässt eine „Turnier-Polka“ oder einen „Schottisch[en]“ wieder aufleben.    Doch das Lustprinzip siegt, ein bretonisches Stück („Manchmal in der Fruah“) oder „Vickerl“, eine luftige hommage an den Großvater von Kollegen Christian Tesak reizten die jungen Damen ebenso.    Auch „Egon“, ein hier wunderbar gespielter und gesungener Schlager aus den 1960er Jahren darf nicht fehlen. Saxophonist Horst Lackinger, vom äußeren Erscheinungsbild eher groß und gewichtig – natürlich nur neben den wirklich zarten Damen gesehen-, spielt dynamisch einfühlsam mit dem Streichquartett, Julia Lacherstorfer und Elisabeth Hasenburger an den Geigen, Irene Froschauer an der Bratsche und Laura Wösch am Kontrabass.

Hören Sie sich diese CD gleich morgens zum Frühstück an, sie bringt ein ungewohntes Gefühl der Leichtigkeit, sie nimmt quasi dem Tag sein Schrecken.

 

Rezensionen für "Brot"

Christian Zastrow von www.folkworld.de schreibt:

"Endlich ist der Beweis geglückt! Die Wiederentdecker traditioneller norddeutscher Musik zerbrechen sich seit Jahren den Kopf, wo sie sich stilistisch zwischen Schweden und dem Alpenland ansiedeln sollen. Dass beides kein Widerspruch seinmuss, zeigt die neue CD der österreichischen Gruppe "Aufstrich". Die Ähnlichkeit zur traditionellen schwedischen Musik liegt vielleicht auch an den Instrumenten, bei denen die Geigen meistens die Führung übernehmen und von Kontrabass und Bratsche begleitet werden. "Aufstrich" ist allerdings kein reines Streicherensemble und auch keine reine Frauengruppe -- Horst Lackinger fügt mit seinem Saxophon und seiner Stimme weitere Klangfarben zum "Aufstrich" hinzu.

Der Bandname hat neben der musikalischen auch noch eine kulinarische Bedeutung -- und da sich "Aufstrich" auf einer CD befindet, heißt die CD eben "Brot" -- logisch? Entsprechend zeigen die Fotos im Booklet auch die Instrumente ineinem kulinarischen Zusammenhang (ich hoffe, sie haben es gut überstanden und haben nicht allzu häufig Kontakt mit Nahrungsmitteln). Musikalisch kommen aber außer "Rotem Wein" und "Apfel, Nuß und Kaiserbirn" nicht so vieleLebensmittel auf der CD vor. Neben vielen traditionellen österreichischen Weisen mit mehrstimmigem Jodeln und nebeneinigen Eigenkompositionen finden wir auf der CD auch Musik aus Finnland, ein ruhiges Stück aus der Slowakei mitmehrstimmigem Gesang (sehr authentisch gesungen) und schmelzender Melodie, und schließlich beweist die Gruppe, dasssie auch einen bulgarischen 7/8-Takt souverän beherrscht (auch wieder mit perfektem Harmoniegesang).

Auch musikalische Überraschungen kann man erleben, wenn sich z. B. über einem massiven Bordun-Ton ein mehrstimmiger Jodler aus einer bekannten Kinderfilm-Melodie entwickelt, die man bisher nicht mit Jodeln in Verbindung gebracht hat ... Insgesamt ein abwechslungsreiches Programm. Im Booklet finden sich zu allen Stücken zusätzlich zu persönlichen Gedanken auch genaue Quellenangaben. Wenn Quellenforschung doch immer solche lebendigen und frischen Ergebnisse hervorbringen würde! Vielleicht wäre vor dem Hören der CD ein Crash-Kurs in alpenländischen Tänzen angebracht, denn wer bei uns im Norden weiß schon, wie man einen "Schleunigen" oder einen "Boarischen" tanzt? Aber auch, wer nur über Walzer- und Polkakenntnisse verfügt, findet genügend Gelegenheiten, sich zu der CD zu bewegen!"

Thomas Divis von www.oneworldmusic.at schreibt:

"Na, das klingt aber g'scheit fesch, wenn die Jungspatzen musizieren! "Jungspatzen", weil sie noch studieren, aber an den Instrumenten (Violinen, Bratsche, Sax, Kontrabass und ab und an Gesang) auf alle Fälle schon 1A. Zum Besten gegeben werden zumeist wenig bekannte Schmankerl aus dem Austrian Songbook, angereichter durch Inspirationen, die sich durch internationale MusikantInnentreffen ergeben haben. Finnland, die Slovakei oder Bulgarien lehnen sich da etwa sehr abwechslungsreich und Moll-lastig an die ausgelassenen österreichischen Volksliedweisen. Aber auch drei sehr feine Eigenkompositionen von Violinistin Julia Lacherstorfer sind auf "Brot" zu hören.

Drei Tracks dieser erfrischenden Volksmusik, fernab von kommerziellen Pfaden, können Sie über die myspace-Adresse von "Aufstrich" erhören.

Mein persönlicher Favorite, die übermütige "Hobl Polka" ist dort leider nicht zu hören -- hat aber gute Chancen auf ein Fixplatzerl in unserem "La Danza Globalista" in der Sargfabrik. Das ist, wohl gemerkt, kein geringes Kompliment, denn dort kommt nur die beste Ware in den Player!"

Susanne Schedtler vom Wiener Volksliedwerk schreibt:

"Schon wieder ein Schlag für die Untergeh-Spezialisten: Volksmusik ist immer noch nicht out. Und schon gar nicht bei der Jugend.

Im Streichensemble plus Saxophon spazieren Julia Lacherstorfer und ihre Musikantinnen durch die österreichische Musiklandschaft, streifen dabei Bulgarien und die Slowakei, aber auch die finnische Taiga und das mit einer Lust und Leichtigkeit, die so mancher braver Stubenmusi gut tun würde.

Horst Lackinger am Saxophon (und einziger Mann in der Band) verteilt so behutsam seine Töne, dass man bisweilen ein Flügelhorn zu hören vermeint. Großartig!

Die fünf Aufstrichler sind historisch bewandert (Handschriften, Notenbüchlein aus Archiven) und offen für direkte Einflüsse (Ponitran, Stifta Geigenmusi, Tanzgeiger) Schon jetzt ist der Aufstrich auf dem Brot köstlich, wie mögen neue Rezepturen erst in Zukunft schmecken?"

 

 


Ab sofort erhältlich

cover_klein

Newsletter abonnieren